Vorab: Uns gehts es heute wieder sehr gut!

Nachdem wir es durch SystemEmpowering geschafft haben aus dieser schmerzhaften Situation in nur wenigen Tagen heraus zu kommen, ist die Energie entstanden randolphmorenosommer.com überhaupt so zu erschaffen, wie Du es heute siehst.

Doch wir wollten auch unsere Erfahrungen mit Mayla, unserer Tochter, weitergeben und haben deshalb ein eBook für all die Eltern geschrieben, die in einer ähnlichen Situation sind oder waren.

Laura und ich haben beim Schreiben beide sehr geweint und gleichzeitig die Energie verspürt, diese Zeilen ohne Hürde zugänglich zu machen, weshalb es auch kostenlos ist.

Für Eltern, die eine Tod- oder Fehlgeburt erlebt haben oder erleben werden und einen Weg aus dem Schmerz suchen

Diese Zeilen widmen wir unserer Tochter Mayla, unserem Sternenkind.

“Danke, dass Du uns in dieser kurzen Zeit so viel beigebracht hast, so viel Liebe geschenkt hast, uns näher zusammenrücken lassen- und uns die Augen geöffnet hast, für die Dinge im Leben, die wirklich von Bedeutung sind.”

Am 24.7.2019 starb unsere Tochter Mayla in der 26. Schwangerschaftswoche völlig unerwartet. Am 25.07.2019 brachten wir sie gemeinsam still zur Welt. Die Welt stand für einen Moment still, doch dreht sie sich jetzt weiter, jedoch ganz anders und wahrscheinlich nie wieder wie zuvor.

Wir sind Eltern einer unglaublich süßen Tochter im Herzen!
Wir möchten auf diesem Wege all den Paaren helfen und Mut machen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Dies ist für alle, die eine Fehlgeburt oder eine Totgeburt erlitten haben, oder vielleicht sogar ihr Kind kurz nach der Geburt wieder gehen lassen mussten. Wir wollen Bekannten, Freunden und Angehörigen dieser Paare die Angst nehmen, etwas Falsches zu sagen. Wir wünschen uns, dass Totgeburten- und Fehlgeburten nicht länger ein Tabuthema sind. Wir möchten unsere Geschichte komplett ehrlich und unverblümt erzählen und wie wir es geschafft haben, zwei Monate nach der stillen Geburt von Mayla stärker denn je zurück zu kommen und heute sagen zu können – uns geht es gut – wirklich gut!

Es war mir persönlich ganz wichtig, dass auch Randolph seinen Platz in diesem kleinen Ebook bekommt, dass er die Chance erhält ebenfalls gehört zu werden und mit seinen eigenen Worten sein persönliches Empfinden während dieser schweren Zeit mitteilen kann und vor allem erklärt, wie wir dank einer bestimmten Methode in der Lage waren, Maylas Tod bestmöglich zu verarbeiten.

Männer werden leider so oft “ganz vergessen”, obwohl auch sie ihr Kind verloren haben. Auch sie leiden genauso wie ihre Frauen. Auch sie brauchen Trost.

Dieses Ebook haben wir daher zusammen geschrieben und für uns ist es eines der schönsten Herzensprojekte, welches wir gerne mit Euch teilen möchten.

Randolph und ich haben unsere Tochter still zur Welt gebracht. Wir vermissen sie und denken jeden Tag sehr glücklich an sie.
Randolph hat vor vielen Jahre eine besondere Coaching Methode erlernt, mit welcher er bereits vielen Menschen und den unterschiedlichsten Themen geholfen hat. Ich habe sie ebenfalls erlernt und bin bis heute sehr dankbar dafür. Dass sie uns einmal helfen würde den Tod unseres Kindes so unfassbar gut und recht schnell positiv zu verarbeiten, hätten wir kaum für möglich gehalten!
Wir möchten all denen, die ebenfalls ein Kind verloren haben, ganz egal ob Fehlgeburt, Totgeburt oder dem Tod nach der Geburt, mitgeben, was uns “gerettet” hat, wir möchten helfen und gleichzeitig unsere Geschichte erzählen…

Wie alles begann

Mayla beim Fotoshooting

Am besten beginnen wir ganz zu Anfang.
Als Mayla in unser Leben trat, völlig überraschend und unerwartet, konnten wir es kaum fassen. Sie hat sich tatsächlich den Weg zu uns gekämpft. Trotz Kupferspirale ließ sie sich nicht davon abhalten bei uns zu sein und Teil unserer Familie zu werden. Sie kämpfte, wir kämpften und glaubten daran, dass alles gut ginge – und es ging gut, vorerst…

Randolph und ich waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahnsinnig lange ein Paar, wussten jedoch beide, dass wir in uns die Partner fürs Leben gefunden haben. Nachdem wir daher die anfängliche Überraschung der Schwangerschaft verdaut hatten, waren wir einfach nur glücklich dieses Geschenk bekommen zu haben und unendlich dankbar zugleich.

Wir waren uns übrigens zu diesem Zeitpunkt sehr sicher, dass diese kleine Kämpferin ein Kämpfer sein musste – davon waren wir wirklich felsenfest überzeugt. Es musste einfach ein kleiner Junge sein. Doch wir lagen falsch!

Nachdem wir von unserem kleinen Wunder erfuhren, begann eine spannende, aber auch teilweise sehr schwierige Reise. Sobald man erfährt schwanger zu sein, ändert sich einfach alles. Die Gedanken, die Gefühle, der eigene Körper, die Einstellung zum Leben, einfach alles… Ich glaube, dass das viele Frauen die bereits schwanger waren nachempfinden können.

Plötzlich ist man nicht mehr allein. Da ist nun ein kleiner Bauchbewohner. Zu Anfang noch so klein wie ein Mohnkorn, größer nicht, die Liebe jedoch, die ganz plötzlich für diesen kleinen Bauchbewohner entsteht, ist nicht in Worte zu fassen. Von Tag eins liebte ich mein Kind, wir liebten unser Kind!

Ich wusste sofort, dass dieses kleine Mohnkorn einmal den besten Papa der Welt haben würde und in eine wundervolle Familie hineingeboren werden würde. Auch wenn die Schwangerschaft nicht geplant war, so war es doch ironischerweise der absolut beste Zeitpunkt. Ich habe den Mann fürs Leben gefunden und gleichzeitig den besten Papa für meine zukünftigen Kinder.

Wir waren schwanger

Wir waren schwanger – das trifft es wohl sehr gut! So richtig schwanger und nein, ich habe wohl absolut kein Schwangerschaftssymptom ausgelassen. Ich habe tatsächlich alles mitgenommen. Randolph war in dieser Zeit mein Fels, mein Anker, meine Unterstützung, mein Buddha 😉 jeden einzelnen Tag. Jeden einzelnen Tag, an dem mich die Müdigkeit, die Übelkeit, die Angst und die Unsicherheit überkam, war er da! Danke an dieser Stelle, Schatz. Ich weiß, das war nicht immer leicht!

Anfang März erfuhren wir von der Schwangerschaft und es begann eine wunderschöne und aufregende Zeit.

Natürlich war uns klar, dass die ersten Wochen mit einem gewissen Risiko verbunden sind. Wir glaubten jedoch an unser “Reiskörnchen”, so nannten wir die Kleine anfangs liebevoll.

An dieser Stelle muss ich wohl erzählen, dass ich etwas vorbelastet war, nicht aufgrund vorheriger Fehlgeburten, sondern aufgrund der Tatsache, dass mir wirklich viele Ärzte in den vergangenen Jahren große Angst gemacht hatten, in Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft. Ich habe einen Uterus Bicornis und bin nun 30 Jahre alt. Übersetzt bedeutet dies “herzförmige Gebärmutter” und diese Art der Fehlbildung haben tatsächlich einige Frauen, viele jedoch ohne es zu wissen. “Herzförmige Gebärmutter” – klingt doch eigentlich wunderschön, oder?! Jahrelang wurde mir leider suggeriert, dass ich einem sehr hohen Fehlgeburtenrisiko unterliege und mich förmlich darauf vorbereiten solle, dass dies geschieht.

Ein Embryo hat es bei einer solchen Fehlbildung eventuell schwerer sich einzunisten. Wobei man hier auch unterscheiden sollte nach dem Grad der Fehlbildung. Nun, es ist nicht 100% erwiesen, dennoch zeigen Statistiken, dass die Rate der Fehlgeburten bei einer solchen Fehlbildung erhöht ist, ebenfalls die Rate der Frühgeburten. Weiterhin können sich Babys im Mutterleib eventuell zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft aufgrund von Platzmangel nicht drehen und kommen in Beckenendlage zur Welt. Dennoch gibt es viele Frauen, die trotz Uterus Bicornis problemlos schwanger geworden sind und keinerlei Komplikationen während der Schwangerschaft hatten. Daher, alles kann und nichts muss!

Jetzt kann man sich vermutlich vorstellen, dass ich nicht wirklich entspannt in diese Schwangerschaft gegangen bin. Wie ich es schaffte, diese Angst aufzulösen und entspannter zu sein, erzählen wir an anderer Stelle.

Die ersten 12 Wochen der Schwangerschaft waren leider etwas schwierig. Ich glaube, ich saß wöchentlich beim Arzt, mit immer wiederkehrenden Blutungen und Schmerzen. Heute weiß ich, dass ich in einer nächsten Schwangerschaft viel mehr auf mich und mein Gefühl vertrauen werde. Dennoch, damals wusste ich es nicht besser.

Ich kämpfte immer wieder mit Blutungen, Sorgen und Ängsten und jeder Besuch beim Frauenarzt machte mich unruhig und umso größer war die Freude zu sehen, dass unser “Reiskörnchen” trotz allem fleißig wuchs und das Herzchen immer kräftiger schlug. Wir freuten uns so sehr über jedes einzelne Ultraschallbild – einfach wunderschön!

Ich habe in diesen ersten Wochen mehr über mich gelernt als vermutlich in meinem gesamten bisherigen Leben. Die Angst, die mich permanent überkam, die Sorgen, die Unsicherheit, das fehlende Vertrauen in mich und in die Natur – all diese Gefühle waren präsent – sie waren Signale, enorm wichtige Signale, wie ich später herausfand, die ich fortan nicht mehr ignorieren konnte, wollte und auch nicht mehr tat. Wir erzählen euch später, warum diese Signale so wichtig waren und warum ich sie hätte nicht ignorieren dürfen!

Ich erinnere mich an viele Male im Wartezimmer meines Frauenarztes, in denen mir mein Herz förmlich aus der Brust sprang, so unfassbar nervös war ich vor dem nächsten Ultraschall. Kennt ihr das? Dann, nach dem lang ersehnten positiven wunderschönen Ultraschall, die Ruhe, die für kurze Zeit einkehrt und die große Freude, sowie die Erleichterung, die sich breit macht… bis zum nächsten Ultraschall, als ich wieder mit klopfenden Herzen im Wartezimmer saß. Wow, welch ́ verrückte Achterbahnfahrt, im Nachhinein betrachtet.

Die Wochen verstrichen langsam und nachdem ich WIRKLICH dachte, dass diese zääääähen ersten 12 Wochen niemals, wirklich niemals vergehen würden, erreichte ich die langersehnte 13. Schwangerschaftswoche und die dazugehörige erste große Untersuchung. Was für ein Erfolg. Unendlich viele Steine fielen mir vom Herzen. Diese Untersuchung war absolut aufregend, für uns beide. Mit jedem süßen Körperteil unseres Kindes, das laut Aussage der Ärztin völlig unauffällig sei, wurde unser Grinsen breiter, das Herz immer größer und die Tränen waren nicht mehr aufzuhalten. Zu hören, dass unser Kind vollkommen gesund aussehe, hat uns mit purem Glück erfüllt. Unser kleines Kämpferlein hat es geschafft. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Einer der schönsten Momente unseres Lebens.

Spätestens nach diesem Arzttermin waren die Sorgen endgültig verflogen und ich genoss die Schwangerschaft in vollen Zügen, wir genossen es. Ganz langsam wurde es tatsächlich real, dass wir wirklich ein eigenes Baby haben würden. All die, die sich an ihre erste Schwangerschaft noch erinnern, oder womöglich gerade schwanger sind, werden mir vielleicht zustimmen, dass die Vorstellung bald ein eigenes Baby zu haben noch völlig verrückt und surreal erscheint, aber dennoch so wunderschön. Ich denke wirklich sehr glücklich an diese Zeit zurück.

Der Bauch wuchs, immer ein kleines bisschen mehr. Ich hatte meine erste längere Reise, ganz ohne Randolph. Unser kleines Reiskörnchen war natürlich bei mir und unsere Bindung zu unserem Kind wuchs täglich.

Als Mutter geht einem wahrhaftig das Herz auf, wenn der eigene Mann ganz aufgeregt und voller Liebe, mit dem kleinen Menschen im eigenen Bauch spricht. Das war fortan übrigens unser Ritual. Jeden Morgen und jeden Abend sprachen wir mit ihr. Nicht nur die Bindung zu unserem Kind wurde täglich stärker, auch die Bindung zwischen Randolph und mir wurde so viele inniger, vertrauter und liebevoller als je zuvor und ist es bis zum heutigen Tage geblieben!

Wir erreichten die 20. Schwangerschaftswoche und die Feindiagnostik stand an. Ich schwebte mittlerweile auf meiner rosaroten Schwangerschafts-Wolke und machte mir keine Sorgen mehr, da sich alles so toll entwickelte, ganz ohne Probleme, seit der 12. Schwangerschaftswoche. Auch die Feindiagnostik war ein Träumchen und die große Überraschung wurde verkündet: Wir erwarteten ein Mädchen! Wir konnten es kaum glauben, da wir sicher waren, dass es ein Junge werden würde. Was für eine Überraschung. Wir sollten also tatsächlich ein kerngesundes Mädchen bekommen. Ich verpasste sämtlichen Ärzten die mir damals sagten, dass ich mit Fehlgeburten rechnen müsste, einen imaginären Tritt in den Hintern. Von wegen Fehlgeburt – ein gesundes Mädchen sollte es sein – pah!

Da wir unbedingt noch einmal gemeinsam etwas Urlaub machen wollten, entschieden wir uns für einen einwöchigen Urlaub in Herrsching am Ammersee. Für

uns die beste Möglichkeit, mit der Familie, in der Natur, mit viel Bewegung und natürlich auch Zweisamkeit, nochmal Energie zu tanken bis die Kleine kommen sollte. Wir hatten ja keine Ahnung, was knapp zwei Wochen später passieren würde.

Laura und Mayla

Wir beschäftigten uns fortan mit dem Thema “Erstausstattung” und ich hätte nie gedacht, dass daraus eine echte Wissenschaft werden könnte. Ich erstellte Listen, suchte nach dem perfekten Kinderwagen und war bemüht, nicht alles in ein rosa Traumland zu verwandeln. Die Schwangerschaft und die Vorfreude, dass wir ein Mädchen erwarten würden gab uns einen unglaublichen Energieschub, weshalb auch alles nur noch aus purer Liebe bestand.

Ich erinnere mich noch an die 25. Schwangerschaftswoche. Ich verabredete mich mit meiner Mutter und wir kauften die allerersten Babysachen. Zuckersüße kleine Strampler. Im Nachhinein sind wir beide sehr froh, dass wir noch keine Babymöbel gekauft hatten.

Leider kam eine Woche später alles anders…

Wenn die Welt kurz stehen bleibt

Am Morgen des 22. Juli 2019 bemerkte ich eine kleine, schmerzlose Blutung. Ich zögerte nicht lange und machte mich auf den Weg zu meinem Arzt. Ich versuchte mich zu beruhigen, die Angst nicht zu groß werden zu lassen. Trotzdem saß ich leicht zitternd im Taxi. Eine rote Blutung zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft? Das konnte doch nichts Gutes bedeuten.

Mein Frauenarzt stellte eine beginnende Verkürzung des Gebärmutterhalses fest, weshalb ich strenge Bettruhe verordnet bekam. Warum das passierte konnte er mir nicht sagen. Eine Frühgeburt in der 26. Schwangerschaftswoche wollten und mussten wir um jeden Preis verhindern. Ich hielt mich an die Bettruhe, versuchte mich zu entspannen, sprach mit unserem kleinen Engel, dass es noch nicht an der Zeit sei auf die Welt zu kommen…

Am Nachmittag, des 24. Juli machte ich mich erneut auf den Weg zum Frauenarzt zur Kontrolle. Mein Arzt kontrollierte die Wehen, jedoch keine vorhanden. Ein Glück! Ich entspannte mich etwas. Dennoch, der Gebärmutterhals hatte sich weiter verkürzt, weshalb ich ins Krankenhaus überwiesen wurde, für eine Lungenreife- Spritze, sowie eine stationäre Aufnahme. Verstanden habe ich das alles überhaupt nicht.

Wie ging es uns? Um ehrlich zu sein waren wir relativ ruhig, voller Vertrauen, dass dennoch alles gut werden würde. Wir hatten großes Vertrauen, dass Mayla noch eine Weile in meinem Bauch bleiben würde. Ja, ich war tatsächlich recht entspannt und in mir ruhend. Was uns dann jedoch im Krankenhaus erwartete, hätten wir niemals für möglich gehalten!

Ich möchte an dieser Stelle absolut ehrlich sein und nichts beschönigen…

An diesem schrecklich heißen Tag, dem wohl heißesten des gesamten Jahres, wurden wir in ein kleines Zimmer geführt, in dem ein CTG gemacht werden sollte. Wir waren voller positiver Gedanken und Vertrauen. Alles, was dann geschah spielte sich wohl eher wie ein Film ab, ein ganz schlechter Film und wir waren die Hauptdarsteller.

Eine Krankenschwester suchte mittels CTG nach dem Herzschlag unserer Kleinen Maus – fand ihn jedoch nicht, beruhigte uns jedoch, dass dies in der 26. Schwangerschaftswoche schon mal vorkommen könne. In diesem Moment überkam mich ein seltsames Gefühl, ein Gefühl der Enge, der Schwere. Ich kann es kaum beschreiben. Eine Ärztin kam mit einem Ultraschallgerät hinzu und begann ihre Untersuchung. Sie suchte, schaute, suchte länger, wurde sehr unruhig, sprach nicht mit uns und es vergangen endlos lange Sekunden oder Minuten. In diesem Moment wusste ich, dass etwas Schreckliches passieren würde. Wir spürten es beide und fragten sie, wonach sie denn suche.

“Ich suche nach dem Herzschlag ihres Kindes, leider kann ich ihn nicht finden”. Die Ärztin sprang auf und holte eine Kollegin hinzu.

Eine weitere Ärztin kam dazu, schaute auf das Ultraschallgerät und bestätigte unseren allerschlimmsten Albtraum:

“Es tut mir sehr leid, aber ihr Kind lebt leider nicht mehr!”
Die Welt stand still!
Ich kann nicht mehr genau sagen, was ich in diesem Moment fühlte. Ich fühlte mich wohl wie in einem Albtraum gefangen und hoffte einfach ganz schnell wieder aufzuwachen. Meine Kehle schnürte sich zu. Die Tränen flossen und hörten nicht mehr auf zu fließen.

“Das konnte doch nicht wahr sein!?” Unsere Tochter war doch gesund. Es war immer alles in Ordnung gewesen. “Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich etwas übersehen, oder nicht bemerkt?” Unzählige Gedanken kreisten… Wie konnte sie einfach ganz unbemerkt sterben?

Wir wurden in diesem unfassbar heißen und kleinen Raum erst einmal auf unseren Wunsch hin allein gelassen. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich war und bin, dass Randolph an meiner Seite war. Wir weinten, hielten uns im Arm und weinten wieder. Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging.

Nach einigen Minuten, oder auch Stunden – ich weiß es nicht mehr – sagten wir uns sehr klar: “Wir haben angst, angst vor dem was uns in den nächsten Stunden oder Tagen erwartet, aber wir gehen da gemeinsam durch. Gemeinsam! Wenn wir das hier geschafft haben, dann fahren wir weg und sprechen über all das, was passiert ist und was passieren wird und verarbeiten es. Gemeinsam! Wir werden das schaffen!”

Diese Worte gaben mir so viel Kraft und Zuversicht und halfen mir, die nächsten Stunden durchzustehen.

Nachdem uns eine weitere Ärztin sehr behutsam darüber aufklärte, was uns nun erwartete, beschlossen wir, die Nacht direkt im Krankenhaus zu verbringen. Die Vorstellung, am selben Abend noch nach Hause zu fahren und Maylas Babykleidung zu sehen, war für uns unerträglich. Die Ärztin sagte uns, dass wir Mayla auf natürlichem Wege auf die Welt bringen müssten. Diese Vorstellung versetzte mich in pure Angst. “Wie sollte ich bitte mein totes Kind zur Welt bringen? Wie sollte ich das nur ertragen? Wie sollte Randolph das nur ertragen?”

Im Nachhinein betrachtet war dies das Allerbeste, das wir hätten tun können.

Bereits am nächsten Morgen um 5 Uhr setzten die Wehen ein. Von ganz allein, ohne Einleitung. Mein Körper reagiert sehr schnell.

Unsere Tochter auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen war zwar sehr schmerzhaft, aber es war auch etwas, das wir gemeinsam taten. Mit Mayla gemeinsam. Wir schafften es als Familie und hatten die Möglichkeit, uns während der 10- Stündigen Wehen mental auf Mayla vorzubereiten und auch darauf, dass wir dann Abschied nehmen würden. Wahrscheinlich kann sich kaum einer vorstellen, dass diese Geburt, so schmerzhaft und anstrengend sie auch war, für uns einer der schönsten Momente und größten Geschenke unseres Lebens war. Wir brachten Mayla am 25.07.2019 um 15:13 zur Welt…

Ich erinnere mich, trotz Schmerzmittel, an den Moment, als sie dann ganz plötzlich da war. Dieses kleine, wundervolle Wesen. Randolph zögerte keine Sekunde und nahm sie zu sich. Sah sie an, kuschelte sich an sie, weinte und schenkte ihr so unendlich viel Liebe. Ich werde diesen wundervollen und gleichzeitig so wahnsinnig traurigen Moment niemals in meinem Leben vergessen. Ich fasste ebenfalls Mut, obwohl ich große Angst hatte und sah zum ersten mal in das süße Gesicht unserer Tochter. Ich sah sie zwar nur verschwommen, aufgrund der Schmerzmittel (dazu später mehr), aber ich sah sie. Sie war ganz klein, 730 Gramm schwer, 32 cm groß und wunderhübsch, als würde sie ganz friedlich schlafen. Für mich das schönste Gesicht, in das ich jemals blicken durfte.

Ich nahm Mayla in den Arm. Sie war unfassbar heiß, das weiß ich noch und schwer war sie, gefühlt zumindest. Ich hatte meine Tochter im Arm und dieser Abschied war Balsam für die Seele. Ich sah sie lange an und gab ihr ein Küsschen. Ich werde wohl nie vergessen, wie niedlich sie in ihrem rosafarbenen Deckchen ausgesehen hat.

Ich habe aus dieser Geburt so wahnsinnig viel gelernt. Es war meine erste Geburt. Das gesamte Thema der “Geburt” hat uns so unglaublich beschäftigt, vor allem im Nachhinein, sodass wir uns entschieden haben, in einem weiteren Kapitel darüber zu sprechen und warum wir der Natur mehr Raum lassen sollten und ihr Vertrauen schenken müssen.

Der Weg durch den Sturm (Randolph)

Als die Ärztin sagte: „Da schlägt kein Herz mehr“ war mir klar: „Da müssen wir jetzt durchgehen!“

Schon in diesem Moment holte ich gedanklich unsere Familien hinter uns, um uns den Rücken zu stärken für das, was kommt.

Maylas Herz hat zwar in diesem Moment nicht mehr geschlagen, doch ist sie trotzdem unsere Tochter und verdient eine ehrwürdige Geburt, bei der wir sie annehmen, wie sie ist.

Es bringt nichts in diesem Moment zu hinterfragen, warum das so ist, sondern nur: „Wie schaffen wir es jetzt als Familie, durch diese Phase gut durchzukommen?“

In den letzten 7 Jahren meiner Coaching-Zeit hatte ich ca. 100 Fälle von Tod- und Fehlgeburten und habe den Schmerz, sowie das Leid mit meinen Klientinnen und Klienten nachträglich wieder aufgelöst.

Jetzt waren wir selbst betroffen und intuitiv wusste ich was zu tun ist.

Mehr dazu im späteren Kapitel „SystemEmpowering“ in welchem ich die genauen Schritte nenne, um eine Tod-/Fehlgeburt kraftvoll durchzustehen oder die schmerzhaften Erlebnisse nachträglich zu verarbeiten.

Am gleichen Tag der Nachricht informierten wir unsere Familienmitglieder, denn sie hatten ein Recht zu erfahren, was gerade geschah. Es gibt keine Worte für so ein

Erlebnis, sondern nur Traurigkeit und Schmerzen. Wir drückten diese aus, indem wir weinten, wütend waren und uns gemeinsam unsere Angst zeigten, was ein gutes Gefühl machte, denn in diesem Moment waren wir uns alle sehr nahe.

Nach einer schlaflosen Nacht setzten Lauras Wehen am Morgen des 25. Juli ein.

Es war so weit, die Geburt unsere Tochter begann und in all dem Leid freuten wir uns auch irgendwie, denn wir hatten uns schon Monate auf Maylas Geburt gefreut.

Eltern sollten zeitlich vor ihren Kindern sterben, doch wir haben nun einmal nicht alles in der Hand und manchmal schickt uns das Leben, tief verborgen in einem leidvollen Ereignis, eine Botschaft, die wir oftmals erst hinterher verstehen.

Während Maylas Geburt haben wir nicht auf den Tod geschaut, sondern auf das Leben, was wir haben. Wir haben darauf geschaut, unsere Tochter auf diese Welt zu bringen, als das, was sie ist und ohne es zu bewerten.

Ich wollte, dass dieser Tag als einer der schönsten und nicht als einer der schlimmsten Tage in unsere Geschichte eingeht und so habe ich mich auch verhalten.

Allzeit bei meiner Frau, habe ich mit Traurigkeit, Schmerz und Freude zugleich meine Rolle als Mann und Vater voll ausgefüllt, um unser wunderschönes Mädchen auf die Welt zu bringen.

Meine Mama fragte an dem Morgen: „Hilft es, wenn ich komme?“ und ich sagte: „Ich weiß nicht ob es hilft, doch wenn Du magst, darfst Du kommen“ und sie machte sich sofort auf den Weg von Kassel nach Hamburg.

Die Geburt eines Kindes ist und bleibt einer der intimsten Momente und auch in so einer Situation ist es von großer Wertschätzung und Vertrauen ein Familienmitglied mit einzubeziehen. Wir waren im Nachhinein alle sehr glücklich darüber, dass sie da gewesen ist.

Die Wehen schoben den Geburtsvorgang weiter voran und ich war die ganze Zeit ruhig, was Laura sehr geholfen hat selbst ruhig zu bleiben.

Es passieren ungeahnte Gefühle oder körperliche Reaktionen, die uns natürlich fremd waren, denn immerhin hatten wir bis Maylas Geburt nie ein Baby auf die Welt gebracht.

In diesen Momenten hatte ich einfach nur größtes Vertrauen in die Natur und in den Prozess, was diese innere Ruhe permanent weiterhin verstärkte.

Als die starken Presswehen einsetzten, lag ich an Lauras Seite und habe sie gehalten, ihren Kopf gestreichelt und in Gedanken gewünscht, dass alles gut wird.

Ich weinte, freute mich und bestärkte Laura mit wenigen und dezenten Worten, dass jetzt unsere Tochter auf die Welt kommen wird.

Schneller als wir gucken konnten, war Mayla da und die Hebamme wickelte sie in ein Handtuch und übergab sie mir.

Sie war heiß wie der Kern des Erdinneren, eine Wärme, die ich nie vergessen werde, eine Wärme, die sich wie ein unendliches Kraftfeld von Energie anfühlte.

In den nächsten Momenten wurde alles ruhig…Unsere schöne Mayla lag in unseren Armen und lächelte wie ein Buddha.

Die Welt blieb in diesem Moment stehen, denn ich verspürte reine Liebe zu unserer Tochter, die ein großes Vorbild für mich ist. Sie kam so ruhig, sie bewertete nicht, sie schämte sich nicht, sie war einfach da. Einfach da!

Zurück ins Leben (Laura)

Wir haben uns in aller Ruhe von Mayla verabschiedet. Da wir immer noch im Kreissaal waren, hörten wir immer wieder das Geschrei Neugeborener aus den anderen Zimmern ertönen. Es störte uns jedoch überhaupt nicht – wir waren einfach zu 100 % bei unserer Tochter. Wir streichelten sie, küssten sie, machten Fotos von ihr und sogen jeden Moment mit ihr auf. Unsere liebe Hebamme hatte Mayla noch gewaschen, angezogen, gemessen, Fußabdrücke gemacht und sie einfach ganz wundervoll behandelt. Wie jedes andere (lebende) Baby auch. Das war uns sehr wichtig und berührte uns sehr. Wir sprachen mit Mayla, dass wir sie sehr lieben und dass sie dort, wo sie nun ist, Frieden finden wird. Die Zeit mit ihr war so wertvoll und wichtig. Wir konnten uns in aller Ruhe kennenlernen und zugleich auch Abschied nehmen. Bis wir sie dann gehen ließen, unsere wunderschöne Tochter, Mayla.

Am nächsten Tag, noch immer im Krankenhaus, mussten wir uns um Themen, wie Bestattung und Ursachenforschung kümmern. Über das Thema Bestattung werden wir in einem gesonderten Kapitel sprechen, da dies einfach so wichtig ist.

Wir hatten die Möglichkeit Mayla obduzieren zu lassen, um einen eventuellen Grund für ihren Tod zu finden. Wir entschieden uns jedoch dagegen, da wir die Vorstellung, sie aufschneiden zu lassen ganz gruselig fanden. Hinzu kam, dass eine Obduktion in den meisten Fällen auch keinerlei Klarheit bringen würde.

Wir stimmten jedoch einer humangenetischen Untersuchung zu. Eine solche humangenetische Untersuchung bringt nach ca. 6-8 Wochen erste Ergebnisse. Weiterhin stimmten wir einer Untersuchung der Plazenta, sowie der Nabelschnur zu. Oftmals kann hier schon eine eventuelle Verkalkung der Plazenta oder Probleme der Nabelschnur eine Erklärung für das Geschehene sein. Auch dies dauerte noch einmal 3 Wochen. Zu guter letzt ließ ich noch eine Blutuntersuchung machen, um eine Blutgerinnungsstörung auszuschließen. Blutgerinnungsstörungen sind häufig der Grund für Fehl- und Totgeburten.

Nachdem nun all das in die Wege geleitet war, buchten wir uns zwei Tage nach Maylas Geburt direkt einen Flug nach Mallorca, organisierten uns ein kleines ruhiges Hotel, packten unsere sieben Sachen und saßen wenig später auch schon am Flughafen.

Wir wussten, dass uns schon bald der Alltag erwarten würde, mit all seinen Herausforderungen und wir waren bereit diesen zu bewältigen. Jedoch mussten wir zunächst Maylas Tod verarbeiten. Wir mussten darüber sprechen, realisieren was passierte, weinen, Erlebnisse neu prägen, Verletzungen auflösen und Wut loswerden. Und das taten wir auch. Unsere gemeinsame Woche auf Mallorca gab uns die nötige Kraft, die wir brauchten, um das zu stemmen, was uns zu Hause erwartete.

Ich hatte bereits eingangs erwähnt, dass ich Signale, die ich vor und während der Schwangerschaft hatte, hätte ernster nehmen sollen. Natürlich können wir im Nachhinein nichts rückgängig machen und wissen auch nicht, weshalb Mayla gestorben ist, jedoch sollte niemand mit Ängsten durchs Leben laufen und ich glaube sehr fest, dass Ängste und Sorgen unser Leben und Ereignisse (wie eine Schwangerschaft) sehr stark beeinflussen können.

Bereits während der Schwangerschaft hatte ich aufgrund der Fehlbildung meiner Gebärmutter immer wieder Ängste, sodass ich anfing, die prägenden vergangenen Erlebnisse und emotionalen Verletzungen mit Frauenärzten, die mir sagten, dass ich wahrscheinlich Fehlgeburten haben werde, neu zu prägen und Verletzungen innerlich aufzulösen. Dies half mir tatsächlich ruhiger zu werden und sorgte dafür, dass mir der Uterus Bicornis keine angst mehr machte.

Im Kapitel “SystemEmpowering” werden wir sehr genau auf diese Vorgehensweise eingehen.

Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass ich 1,5 Wochen nach Maylas Tod und zurück in Deutschland, sagen könnte, dass es mir wieder “ganz gut” ginge. Obwohl ich in den ersten Tagen auf Mallorca noch betäubt war vor Schmerz, war ich nach nur wenigen Tagen und dank Randolph, unserer Arbeit und unserer Art das Geschehene zu verarbeiten, wieder zurück und in der Lage, über all das zu sprechen und mich Stück für Stück besser zu fühlen und unglaubliche Zuversicht für die Zukunft zu entwickeln! Als Paar waren wir plötzlich stärker als je zuvor.
Ich denke, ein ganz normaler Prozessschritt (für mich zumindest) war das “verstehen können”. Ich begriff anfangs einfach nicht, warum wir Mayla verloren hatten und suchte wie verrückt nach Antworten. Ich studierte Medizin-Blogs, las Arzt-Berichte, Dissertationen und durchkämmte sämtliche Foren zum Thema Fehl- und Totgeburten. Ich wusste, dass ich keine Antwort finden würde, warum wir sie verloren hatten, aber dennoch war es mir wichtig zu verstehen, was eventuell passiert sein könnte und wie es anderen ergangen ist.

Während meiner Recherche entdeckte ich ein ganz wunderbares Forum namens “Urbia”, sowie ein weiteres mit dem Namen “Maximilianprojekt”, welches vielen Frauen mit ähnlich traurigen Erfahrungen eine Plattform bietet, sich auszutauschen und sich gegenseitig Trost zu spenden.

Bis heute konnte übrigens kein medizinischer Grund für Maylas Tod gefunden werden und das ist auch in Ordnung, da wir unsere eigene Idee davon haben, warum sie nicht lebend auf die Welt gekommen ist. Der von mir eingangs geschilderte Uterus Bicornis sollte übrigens laut Ärzten nicht ursächlich sein für Maylas Tod.

Während ich viel Zeit in diesen Foren verbrachte merkte ich, dass es mir anscheinend schon sehr viel besser ging, als vielen anderen Frauen, die eine sehr sehr lange Zeit nicht mehr aus ihrem tiefen Loch der Traurigkeit kamen. Aber woran lag das? Ich liebte mein Kind nicht weniger, als andere Frauen ihre Kinder und ich hatte das Erlebte auch keinesfalls verdrängt, ganz im Gegenteil, ich ließ die Traurigkeit zu jeder Zeit zu, denn sie kam in Wellen. Woran lag es also, dass ich mich gerade mal 1,5 Wochen nach Maylas Geburt so viel besser, gestärkter und gelöster fühlte, als so viele andere Frauen?

Sicherlich ist es die Summe der Dinge, die dafür sorgten, dass wir nach relativ kurzer Zeit wieder stark zurück im Leben waren. Dass wir Mayla einen Platz geben konnten, dass sie uns innerlich sagen konnte, dass es uns gut gehen darf, dass wir wütend sein konnten, weinen konnten und ihr letztendlich eine würdevolle Beerdigung geschenkt haben, waren definitiv die Gründe, die uns aus der tiefsten Traurigkeit sehr schnell wieder zurück ins Leben brachten.

Das mag jetzt alles sehr banal klingen, aber wenn man nur einmal die Tiefe dieser Dinge erfasst und sie begreift und umsetzt, dann kann dies alles wahre Wunder bewirken. Der schlimmste Verlust unseres Lebens hat dank dieser Vorgehensweise ungeahnte Energien in uns freigesetzt, hat uns ermöglicht den Tod unseres Kindes wahrhaftig zu verarbeiten und uns ermöglicht, heute, 2,5 Monate später, voller Glück und Liebe über sie zu sprechen.

Wir haben uns bereits kurz nach Maylas Geburt ganz bewusst den für uns absolut schrecklichsten Situationen gestellt – nämlich Außenstehenden, wie z. B. Nachbarn und Bekannten von den Geschehnissen zu erzählen. Es war uns wichtig, dies schnell zu tun, da sich ohnehin jeder gewundert hätte, wenn ich plötzlich ohne Babybauch, aber auch ohne Baby aufgetaucht wäre. Die ersten Male war es sehr schwer. Ich schaffte es nicht über Mayla zu sprechen ohne zu weinen, aber das war okay! Es wurde mit jedem Mal besser und einfacher und es war Balsam für die Seele. Auch unsere Freunde, Bekannte und Nachbarn waren dankbar für unsere Offenheit. Sie hatten verständlicherweise oftmals keine Ahnung wie sie mit uns umgehen sollten, voller Angst etwas Falsches zu sagen. Absolut verständlich natürlich. Genau diese Sorgen konnten wir vielen vorwegnehmen, indem wir sehr aktiv darüber gesprochen haben und sagten, dass es uns jeden Tag besser ginge und wir gerne über Mayla sprechen wollen.

Maylas Platz Zuhause

Mayla hat auch in unserem Zuhause einen ganz festen Platz bekommen. Wir haben ein Foto von ihr auf unserem Nachttisch stehen, da wir sie wahnsinnig gern anschauen und unglaublich stolz auf sie sind. Auch in unserem Kleiderschrank hat sie einen kleinen eigenen Bereich. Die Kleidung, die wir ihr bereits gekauft hatten haben wir ganz bewusst nicht weggeräumt. Ganz im Gegenteil, all die lieben Karten und Beileidsbekundungen die wir bekamen, haben wir in ihr Fach gestellt, sodass wir diese jederzeit anschauen können. Ich trage zudem jeden Tag eine kleine “Mayla- Kette” um den Hals, die ich von einer lieben Freundin geschenkt bekommen habe.

Wir werden niemals aufhören über sie zu sprechen. Sie wird irgendwann eine große Schwester sein und natürlich werden wir all ihren Geschwistern voller Stolz von ihr erzählen. Uns war immer klar, dass wir viele Kinder haben möchten und wir gehen voller Mut und Zuversicht in eine kommende Schwangerschaft und haben Vertrauen, dass alles gutgehen wird.

Dieser Teil ist wohl mit der Wichtigste – dem eigenen Kind, auch wenn es physisch vielleicht nicht mehr anwesend ist, einen Platz zu geben! Dies taten wir von Anfang an und wohl deshalb spüre ich sie auch zu jeder Zeit ganz fest bei mir und bin so dankbar für dieses Gefühl. Sie ist nicht weg, sie ist bei uns und das wird sie auch immer bleiben.

Loslassen – Maylas Beerdigung

Ich hatte bereits erwähnt, dass wir Maylas Beerdigung ein eigenes Kapitel widmen möchten, da dieser Part einen unglaublich hohen Stellenwert für uns hat und enorm wichtig war für unseren Verarbeitungsprozess. Daher von vorne…

Bereits einen Tag nach Maylas Geburt und noch im Krankenhaus, mussten wir uns “sehr schnell” für einen Weg der Bestattung entscheiden. Wir waren sehr entschlossen unsere Tochter würdevoll zu beerdigen und wir wollten es selbst tun, an einem Ort, der ihr sicher gefallen würde.

Es gab die Möglichkeit eines kostenfreien Grabs für Sternenkinder in Hamburg Öjendorf. Veranstaltet vom Verein „Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V.“ und der evangelischen Krankenhausseelsorge Hamburg. Ab März 2018 in Kooperation mit „Bethanien Sternenkinder“. Hier störte uns jedoch die Tatsache, dass wir Mayla nicht selbst bestatten- und auch den Tag nicht selbst bestimmen konnten. Dennoch eine wunderschöne Möglichkeit gemeinsam mit anderen Sternenkinder-Eltern Abschied zu nehmen.

Auch ein ganz “normales” Grab auf einem Friedhof konnten wir uns nicht vorstellen. Sie war doch noch so klein, ein Baby, sie sollte an einem schönen Ort ruhen können, an einem Ort, der nicht so sehr nach “Tod” aussieht.
Durch Zufall entdeckten wir das Konzept des „FriedWald”. Ein FriedWald ist ein öffentlich (unter Naturschutz stehender) begehbarer und wunderschöner Wald, in dem Menschen unter Bäumen, also in der freien Natur, bestattet werden können. FriedWälder gibt es verteilt in ganz Deutschland.

Dieses Konzept gefiel uns unglaublich gut. Es gab uns ein beruhigendes und warmes Gefühl, dass unsere Mayla einen Platz in der Natur bekommen würde und wir sie dennoch zu jeder Zeit besuchen können. Jeder FriedWald hat zudem sogenannte kostenfreie “Sternschnuppen Bäume” für Säuglinge und Kinder bis 3 Jahren, die gemeinsam an einem solchen wunderschönen Baum liegen können. An diesen Sternschnuppen Bäumen hängt dann eine kleine Tafel mit all den Namen der Kinder, die dort liegen.

Für uns war sofort klar, dass wir Mayla im FriedWald in der Lüneburger Heide an einem solchen Sternschnuppenbaum beerdigen möchten, in einer kleinen FriedWald Urne. Die Vorstellung, dass sie dort nicht allein sein würde, sondern neben anderen Sternenkindern liegen würde und vollkommen verbunden mit der Natur wäre, fanden wir sehr schön.

Die Entscheidung war also gefallen und noch am selben Tag fuhren wir vom Krankenhaus direkt in die Lüneburger Heide und schauten uns den FriedWald an. Es war tatsächlich genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Ein wunderschöner Wald, traumhafte Alleen, ein leichter Wind, der durch die Baumkronen wehte, die friedliche Stimmung im gesamten Wald und die unglaubliche Ruhe, die dort herrschte. Keine bedrohliche Ruhe, sondern eine friedliche, die uns direkt beruhigte. Ja, hier sollte unsere kleine Mayla einen Platz finden.

Von nun an würde das Eichhörnchen die “natürliche” Grabpflege übernehmen und ein wachendes Auge auf sie haben. Diese Vorstellung brachte uns zum ersten Mal, zwei Tage nach Maylas Geburt, zum lachen. Es war entschieden, Mayla würde hier einen Platz bekommen.

Tatsächlich verging ein ganzer Monat, bis wir Mayla beerdigt haben. Bevor wir dies taten, war uns nämlich ein weiterer Schritt noch enorm wichtig.

Sie sollte ganz offiziell Randolphs Nachnamen tragen. Mayla Moreno Sommer.

Da wir nicht verheiratet sind, geschieht das natürlich nicht automatisch. Man muss dazu erwähnen, dass wir bereits sehr früh beschlossen, dass Mayla einmal “Moreno Sommer” heißen sollte und diesen Plan wollten wir auf keinen Fall über Bord werfen, nur weil sie nicht lebend bei uns ist! Dies ist ein unglaublich wichtiger Punkt für uns. Mayla ist ein Teil von uns, auch wenn sie nicht lebendig bei uns ist, behandeln und sprechen wir immer und zu jeder Zeit mit größtem Respekt über sie, weshalb sie natürlich auch offiziell und vor dem Gesetz “Mayla Moreno Sommer” heißen sollte.

Hier mussten wir nun einige ungewöhnliche Behördengänge erledigen, die tatsächlich so wohl sehr selten, bis nie vorkommen, denn kaum ein Elternpaar lässt für das eigene totgeborene Kind eine Vaterschaftsanerkennung und Namensänderung vornehmen. Genau dies taten wir jedoch. Randolph erkannte offiziell die Vaterschaft an. Hier unterschrieb ich zudem, dass unsere Tochter seinen Nachnamen tragen darf. Mit diesen Unterlagen ging ich dann zum nächsten und letzten notwendigen Termin, nämlich zum Standesamt, um Maylas korrekte Geburtsurkunde zu beantragen.

Ihre Geburtsurkunde ist mittlerweile bei uns angekommen. Es ist ein so schönes Gefühl, dass wir diesen Schritt noch für sie gegangen sind und dass sie jetzt ganz offiziell “existierte” und dabei eine echte “Moreno Sommer” ist. Das haben wir für unsere Tochter getan. Im letzten Teil dieses Ebooks haben wir einmal alle notwendigen und gesetzlich vorgeschriebenen Schritte für Euch zusammengefasst.

Laura, Randolph und Mayla im Friedwald Lüneburger Heide

Nun hatten wir alles erledigt und die Beerdigung konnte stattfinden. Bereits zwei Tage vorher holten wir Maylas Urne höchst persönlich bei unserer Bestatterin ab, da wir sie selbst am Tage der Beerdigung mitbringen wollten. Ein Versand per “Post” kam überhaupt nicht in Frage. Ich erinnere mich noch, als wir das erste Mal, einen Tag nach Maylas Geburt bei unserer Bestatterin saßen und über alles sprachen. Randolph sagte dann mit Tränen in den Augen und zugleich voller Liebe, dass wir unsere Tochter natürlich höchstpersönlich zur ihrer Beerdigung bringen möchten. Schließlich ist sie unsere Tochter! Ich habe niemals zuvor einen Menschen etwas so berührendes, voller Schmerz und gleichzeitig unendlicher Liebe, sagen hören.

An dieser Stelle möchten wir unbedingt all denen, die in Hamburg noch auf der Suche nach einer Bestatterin/Bestatter sind, unsere Bestatterin von “Memento Mori” ans Herz legen. Wir wurden von Tag eins so unglaublich einfühlsam und wundervoll begleitet und die Art und Weise wie über Mayla gesprochen wurde hat uns aus tiefstem Herzen berührt. Die genaue Adresse findet ihr im Anhang des Ebooks.

In einer Kutsche auf den Weg zu Maylas Grabstätte im Friedwald Lüneburger Heide

Maylas Beerdigung wählten wir ganz bewusst im sehr kleinen Kreis. Lediglich unsere Eltern nahmen Teil und waren sehr dankbar dafür. Es war uns wichtig, aus diesem Tag einen wundervollen Tag zu machen, einen glücklichen Tag, einen Tag nur für unsere kleine Mayla. Deshalb waren wir natürlich auch nicht in Schwarz gekleidet, sondern so wie wir uns wohl fühlten. Mit einer Kutsche wurden wir zu Maylas Sternschnuppenbaum gebracht.

Diese wunderschöne Atmosphäre im gesamten Wald werde ich wohl nie vergessen. Die Luft war warm, Vögel zwitscherten, ein leichter Wind wehte durch die Baumkronen und brachte die Blätter zum rauschen, ein paar Bienen hier und da und überall eine friedliche Ruhe…

Der FriedWald Förster hatte bereits alles vorbereitet und ließ uns dann jedoch allein, da wir ganz privat und in Ruhe Abschied nehmen wollten. Wir alle hatten Mayla einen Brief geschrieben, den wir laut vorgelesen haben und anschließend behutsam in ihr Grab legten. Es war uns erlaubt, alles Natürliche, wie Papier, Blumen und Steine mit in Maylas Grab zu legen. Auch das Herablassen der Urne übernahmen Randolph und ich ganz persönlich. Wir weinten, lächelten, sprachen mit ihr und dachten an sie. Ja, wir haben ihr eine wunderschöne Zeremonie bereitet und waren tatsächlich glücklich!

Nach Maylas Beerdigung spürten wir alle, wir eine schwere Last von uns abfiel. Wir atmeten durch und fühlten uns frei und glücklich, Mayla jedoch von nun an immer ganz fest bei uns. Ihre Beerdigung war für uns der letzte und wichtigste Schritt, um voll und ganz loslassen zu können, um voller Energie und Glück unser Leben weiter zu leben.

Und das taten wir auch!

Wie wir die stille Geburt / Todgeburt unserer Tochter verarbeitet haben

Diesem Teil widmen wir uns intensiv in unserem kostenfreien eBook.

Wir hoffen, Dir bis hierhin schon ein wenig geholfen zu haben und Dich inspirieren können, den Weg weiter zu gehen und nicht aufzugeben.